Wie funktioniert die Feldenkrais-Therapie?
Die Frage bekomme ich oft gestellt: Was ist Feldenkrais? Wie funktioniert die Feldenkrais Therapie?
Die Frage lässt sich ich nicht mit einem Satz beantworten.
Dr. Feldenkrais hat diese Frage einmal in einem Interview mit einer Gegenfrage beantwortet. Können Sie mir die Bibel in einigen Sätzen erklären?
Feldenkrais Therapie für Menschen ist eine anerkannte Therapieform. Feldenkrais für Tiere ist noch nicht so bekannt, was ich hoffentlich noch ändern wird.
Oft kommen Hundebesitzer mit dem Tier in die Praxis und lassen es behandeln. Die wunderbaren Verbesserungen des Hundes motivieren sie dann oft dazu, sich selber auch behandeln zu lassen. Erst dann können die Menschen wirklich verstehen wie Feldenkrais auf Körper, Geist und Seele wirkt.
Dr. Feldekrais formulierte es folgender massen: jede menschliche Handlung beinhaltet immer vier untrennbare Bestandteile: Bewegung, Sinnesempfindung, Gefühle und Denken (Feldenkrais, 1978, 31).
Wir haben eine Wechselwirkung dieser vier Bestandteile und sie beeinflussen sich
gegenseitig.
Ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass Feldenkrais einiges mit Spiritualität zu tun hat, weil die Methode auf Körper, Geist und Seele wirkt.
Dr. Feldenkrais war es sehr wichtig, den Patienten ihre menschliche Würde zurück zu geben und das ist ein Teil seiner Lehre für uns alle, welche die Methode praktizieren.
Wir arbeiten über das Nervensystem, über den Körper zum Gehirn. Jede Bewegungsänderung zieht eine Verhaltensänderung nach sich, nicht nur beim Tier. Ich sehe wie sich Menschen und Tiere entwickeln, ihre Potenziale besser nutzen können, Ängste verlieren, selbstbewusster werden.
Mit der Behandlung kann ich ungebrauchte oder verkümmerte Nervenbahnen aktivieren. Darin unterscheidet sich die Feldenkrais-Methode von allen andern Methoden. Es ist ein Lernprozess.
Die Feldenkrais-Methode ist die einzige, die das Nervensystem bewusst und direkt in der Behandlung einbezieht.
Über die Neuorganisation von Bewegung kann ein direkter Zugang zum Nervensystem gefunden werden. Dabei kommt es zur sogenannten neuro-muskulären Reorganisation. Man bewegt sich nach einer bfb-Feldenkrais Stunde anders als zuvor, der Körper fühlt sich leichter an, seine Bewegungen sind geschmeidiger. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit geschult und immer mehr, was vorher selbstverständlich auf eine bestimmte Art und Weide getan wurde, hinterfragt. Das gilt sowohl für Bewegungen, als auch für Denkstrukturen im Alltag. Neu Erlerntes kann direkt auf das Leben übertragen werden.
Durch die sanfte Berührung meiner Hände fühle ich, was das Lebewesen im Moment braucht.
Wo soll ich ihm Unterstützung geben, welche Schonmuster sind unnötig, welche braucht es noch?
Niemals werden schmerzhafte Stellen berührt. Es ist meine Aufgabe, andere Stellen zu suchen, dort wo es leichter geht. Das Einfachste ist immer das Wirkungsvollste! Daran sind wir uns in unserer Kultur und Erziehung nicht gewohnt. Die meisten denken „mehr hilft mehr“, aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Bei einer Störung müssen andere Teile des Nervensystems mehr arbeiten, zu viel arbeiten. Das führt durch die stetige Überlastung zu Veränderungen in der Muskelaktivität und im Verhalten. Das ganze System verbraucht zu viel unnötige Energie, somit funktionieren immer mehr Teile weniger gut und es wirkt sich auch auf die Psyche aus.
Dr. Feldenkrais hat, in Kurzfassung, herausgefunden, dass es für Wirbeltiere und Menschen von grundsätzlicher Wichtigkeit ist, dass Skelett und Muskeln getrennt gefühlt werden können. – Das Skelett ist für das Stützen zuständig – Die Muskelarbeit ist für die Fortbewegung zuständig Hat jemand gelernt, sich wieder auf sein Sklelett und damit auf seine Stütze zu verlassen, verliert er sehr viele Ängste. Er wird geschmeidiger und kann sich leichter bewegen, er wird gesamthaft lebendiger und hat eine viel leichtere Atmung.
Durch die Behandlung verschwinden unnötige Anspannungen, es wird viel Energie frei.
Gerne hier ein paar Beispiele von Hunden aus meiner Praxis. Tiere wissen viel genauer als die meisten Menschen, was sie brauchen und zeigen es eins zu eins.
https://aeschbach.ch/feldenkrais-therpie-fuer-hund-und-katze/
Ein deutscher Schäferhund Rüde, 12 Jahre alt. Er ist sehr auf die Besitzerin bezogen, wedelt nicht mal bei ihrer Mutter mit dem Schwanz. Meistens hole ich die beiden im nahen Parkhaus ab, damit die Besitzerin weniger Stress hat. Der Hund läuft mit mir und mir nach, zeigt Freude. Wenn die Besitzerin unterwegs zur Praxis noch eine Pipirunde machen will, geht er nur kurz raus und will zurück zum Auto. Er scheint genau zu wissen wo es hingeht. Laufen tut er natürlich auch viel besser.
Ein anderes Beispiel: ein 13-jähriger Boxerrüde mit einigen Altersbeschwerden, unter anderem auch Lahmheit. Die Familie hat schon fast alle möglichen Therapieformen ausprobiert und nie ging es dem Hund so gut wie mit Feldenkrais. Will der Besitzer noch kurz die Toilette aufsuchen, bevor er in die Praxis kommt, findet der Hund das unmöglich, noch warten zu müssen, er zieht zur Praxistüre. Letztes Mal liess sich auch der Besitzer behandeln, das Gesicht des Hundes hätte man filmen müssen, er konnte es kaum fassen, dass Herrchen zuerst behandelt wird, das war köstlich.
Kürzlich kam ein „neuer“ Hund, ein Mittelpudelmädchen. Ganz fein und zart. Sie legte sich sofort, schon bei er ersten Behandlung auf das Badetuch, unter welches ich im Sommer eine Kühlmatte lege, und entspannte sich schon nach sehr kurzer Zeit in Seitenlage. Am Schluss hatte ich das Gefühl, dass das süsse Mädchen noch stundenlang hätte behandelt werden wollen.
Zum Schluss noch ein wunderbarer Bericht von einem stattlichen Dobermannrüden, inzwischen sechs jährig. Er hatte als Welpe das Rückgrat gebrochen, und das zum Glück überlebt. Natürlich mit unendlichen Schmerzen. Dadurch war er dermassen traumatisiert von Praxisbesuchen, dass ich ihn zu Hause behandeln musste. Selbst das war anfänglich schwierig. Es brauchte viel Geduld, bis er Vertrauen gefasst hatte. Er hatte panische Angst, dass er Schmerzen erleiden würde. Und nun, nach ungefähr dreiviertel Jahren in regelmässigen Abständen von ungefähr vier bis sechs Wochen, war ich kürzlich wieder vor Ort. Am Tag zuvor wurde er kastriert. Ich hätte heulen können vor Freude; Kein Rückfall der Traumatisierung vom Klinikbesuch! Nicht mal mehr vom Elektrozaun, hat er Angst. Als Welpe verwickelte er sich mal in einem und dieses Trauma verfolgte ihn ebenfalls. Seit den Behandlungen brauchte er nie mehr Schmerzmittel für den Rücken. Hier sieht man, wie Feldenkrais genial wirkt, auch auf die Psyche.

